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Einsiedler Volksblatt, Freitag 16.11.2018 / 6. Jahrgang

Einheitskasse: Initiativtext mit familienpolitischen Nebenwirkungen

Von ROLAND LUTZ | 23.05.2014

Einheitskasse: Initiativtext mit familienpolitischen Nebenwirkungen

Die Einheitskasse bedeutet das Aus für günstige Kinder- und Jugendprämien sowie für sämtliche Prämienrabatte. Das zeigt ein Gutachten von Prof. Dr. Ueli Kieser, Vizedirektor IRP-HSG, das die alliance santé in Auftrag gegeben hat. Die Einheitskasse bittet damit vor allem Familien zur Kasse. Diese leiden bereits heute am meisten unter der hohen Prämienlast. Zudem wird es nicht mehr möglich sein, die Höhe der eigenen Prämie zu beeinflussen und mit besonderen Versicherungsmodellen oder Wahlfranchisen zu sparen.Im Herbst dieses Jahres entscheidet das Schweizer Stimmvolk über die Einheitskasseninitiative. Die alliance santé erachtet es als zentral, dass die Stimmbevölkerung über die tatsächliche Bedeutung des Initiativtexts und dessen Auswirkungen im Bilde ist. Sie hat deshalb Prof. Dr. Ueli Kieser von der Universität St. Gallen mit einem Rechtsgutachten zum Initiativtext beauftragt.

Einheitsprämie schafft günstige Prämien und Rabatte ab

Die Expertise zeigt vor allem eines: Die Initianten machen leere Versprechungen, wenn sie behaupten, das Gesundheitswesen werde durch die Einheitskasse günstiger und gerechter. Das Gegenteil ist der Fall. Laut Initiativtext muss jeder Versicherte in einem Kanton die exakt gleich hohe Prämie entrichten. Im Klartext heisst das gemäss Prof. Dr. Kieser: «Die heute günstigen Kinder und Jugendprämien sowie Prämienrabatte für besondere Versicherungsmodelle wie etwa die Hausarztmodelle sind nicht mehr möglich. Denn der Initiativtext will strikt ,eine einheitliche Prämie‘, die sich ‚aufgrund der Kosten der sozialen Krankenversicherung‘ berechnet.»

Rund 56 Prozent aller Versicherten haben sich heute für Wahlfranchisen mit Rabattmöglichkeit entschieden. Ungefähr ein gleich hoher Anteil von Versicherten ist heute in einem besonderen, kostensparenden Modell versichert. Insgesamt haben 77 Prozent der Bevölkerung entweder eine Wahlfranchise oder ein besonderes Versicherungsmodell und wären damit direkt von einer Prämienerhöhung durch eine Einheitsprämie betroffen.

Familien werden am stärksten belastet

Heute kommen Familien in den Genuss von günstigen Kinder- und Jugendprämien. Im System der Einheitskasse aber müssten Kinder und Jugendliche die gleich hohe Prämie bezahlen wie Erwachsene. Damit bittet die Initiative ausgerechnet die Familien, die bereits heute am meisten unter der Prämienlast leiden, zur Kasse. Familien aus dem Mittelstand, die keine Prämienverbilligungen erhalten, wären von der Zusatzbelastung am stärksten betroffen, wie erste Berechnungen zeigen: Eine 4-köpfige Familie in einem durchschnittlichen Kanton zahlt gemäss Initiativtext 81 Prozent mehr Prämien mit der Einheitskasse als heute (Annahmen: Günstigster
Krankenversicherer; alle Familienmitglieder sind im Hausarztmodell versichert; Wahlfranchise des Vaters: CHF 1500.-; der Mutter: CHF 300.-; der Kinder: 0 CHF).

Kostenbewusstes Verhalten wird nicht mehr belohnt

Heute kann jeder Versicherte die Höhe seiner Prämie um bis zu 50 Prozent verringern, indem er sich für eine Wahlfranchise oder ein besonderes Versicherungsmodell, zum Beispiel ein Hausarzt- oder ein telemedizinisches Modell, entscheidet. Mit der von den Initianten geforderten Einheitsprämie verliert der Versicherte den Einfluss auf seine Prämienhöhe.

Zudem entfallen mit der Einheitsprämie die heute bestehenden finanziellen Anreize, sich für ein kostensparendes Versicherungsmodell zu entscheiden. Damit beseitigt die Einheitskasse jegliche Motivation für die Versicherten, sich im Gesundheitswesen kostenbewusst und eigenverantwortlich zu erhalten. Ohne Rabatte werden die kostensparenden Modelle und die Wahlfranchisen verschwinden, weil sie nicht mehr nachgefragt werden. Die Gesamtkosten werden durch den Wegfall der kostendämpfenden Wirkung von besonderen Versicherungsmodellen und Wahlfranchisen um 2,8 Milliarden Franken oder 12 Prozent steigen.

Die alliance santé wehrt sich deshalb gegen die von der Initiative ausgelöste Gleichschaltung aller Versicherten. Kostensparendes Verhalten soll sich weiterhin lohnen und Entlastungen für Familien

Quelle: www.alliance-sante.ch

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