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Einsiedler Volksblatt, Mittwoch 22.08.2018 / 6. Jahrgang

Regierungsrat André Rüegsegger zur Kriminalstatistik

Von ROLAND LUTZ | 28.03.2014

Regierungsrat André Rüegsegger zur Kriminalstatistik

André Rüegsegger: Wenn ich eine kurze, selbstverständlich nicht abschliessende politische Wertung zur präsentierten Situation vornehme, ergibt sich, dass diese natürlich Folge verschiedener Umstände und Entwicklungen sein dürfte. Um auf diese eingehen und auf entsprechende Veränderungen reagieren zu können, ist die Polizei, aber auch die Politik ständig gefordert. Schwerpunkte in der polizeilichen Arbeit können mit der Zeit variieren, und sie haben sich auch nach den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger zu richten.

Standortvorteil Sicherheit

Der Kanton Schwyz bietet im nationalen und internationalen Vergleich noch immer ein relatives intaktes Umfeld, und unsere Bevölkerungs- sowie Siedlungsstruktur verursacht noch nicht ganz die gleichen Probleme wie in den städtischen Gebieten und Agglomerationen.

Wir müssen dafür besorgt sein, dass dies auch in Zukunft so bleibt und wir unsere Lebensqualität gerade auch mit Bezug auf die Sicherheit und das entsprechende Empfinden der Bevölkerung erhalten können. Das kann auch im nationalen und internationalen Wettbewerb ein wichtiger Standortvorteil sein.

Wie wir gehört haben, müssen wir hier im Kanton Schwyz für das Jahr 2013 aber wieder eine Zunahme bei den Straftaten von über 9% verzeichnen. Dies, nachdem bereits im letzten Jahr eine Zunahme von fast 5% zu registrieren war. Mit dieser Entwicklung einigermassen mithalten können hat aber immerhin auch die Zahl der polizeilich ermittelten Täter, die um 6.5% zugenommen hat.
Gesamtschweizerisch sind die registrierten Straftaten dagegen um 6% zurückgegangen. Es verbleibt aber natürlich immer noch ein sehr hohes Niveau von 575‘000 Straftaten.

Zunahmen bei den Einbruchdiebstählen

Bemerkenswerte Zunahmen sind bei uns im Kanton Schwyz leider beispielsweise bei den Einbruchdiebstählen im Wohnbereich (Zunahme von 55%, nachdem bereits im Jahr 2012 ein Anstieg von 18% zu beklagen war) sowie bei der Häuslichen Gewalt, wo die Straftaten um 11.5% auf 204 Fälle zugenommen haben, zu verzeichnen. Dazu erfolgten bei der Häuslichen Gewalt noch 121 zusätzliche Interventionen.

Zu berücksichtigen gilt es bei diesen Zahlen jedoch, dass sie in absoluten Werten immer noch einigermassen tief sind, so dass Veränderungen bei den Prozentzahlen halt auch entsprechend stärker ausschlagen, als dies etwa in grösseren Kantonen der Fall ist.

Worauf ist diese unerfreuliche Entwicklung innert einer kurzen Zeit zurückzuführen? Welche Faktoren, Umstände und vor allem welche Veränderungen haben dazu geführt?
Für einmal möchte ich selber hier keinen – allenfalls politisch geprägten – Antwort-versuch machen, sondern die Frage bewusst einmal im Raum bzw. zur eigenen Beantwortung stehen lassen.

Insgesamt kann man über die allgemeinen Entwicklungen bei den Straftaten natür-lich nicht glücklich sein. Heute muss selbst der Präsident des Verbandes Schweizerischer Polizeibeamter darauf hinweisen, dass die Schweiz definitiv nicht mehr zu den sichersten Ländern zähle (Bericht im Bote der Urschweiz von vorgestern).

Wie Situation verbessern?

Essentiell ist darum die Frage, wie und mit welchen Mitteln wir reagieren können, damit die Situation wieder verbessert werden kann. Sich auf Dauer mit schweizweit über 575‘000 registrierten Straftaten pro Jahr einfach abzufinden, kann ja wohl keine Option sein. Von den Kosten, welche all diese Straftaten auf den verschiedenen Ebenen nach sich ziehen, beginne ich hier jetzt gar nicht erst zu sprechen.

Was aus Sicht des Kantons Schwyz erfreulich ist, und wir sprechen hier natürlich im wahrsten Sinn des Wortes nur von einer relativen Erfreulichkeit, ist, dass wir einerseits im Hauptbereich der Strafgesetzbuch-Tatbestände mit 36.8% eine Aufklärungsrate haben, die deutlich über derjenigen der gesamten Schweiz von 28.9% liegt.
Auch bei der Anzahl StGB-Straftaten pro 1000 Einwohner gehören wir mit 36.5 zu den 7 „sichersten“ Kantonen; der schweizerische Durchschnittswert liegt fast doppelt so hoch bei 71.5.

Massnahmen

Anhand der beiden zuvor speziell erwähnten Deliktsgebiete Einbrüche und Häusliche Gewalt möchte ich auch aufzeigen, dass wir denn auch tatsächlich versuchen, auf solche Entwicklungen gezielt zu reagieren:

Einbrüche: Aktion Sera (Dämmerungseinbrüche), vermehrte Präsenz und Patroullientätigkeit, Kontrollen auf den Strassen,
gänzliche Verhinderung bei über 71‘000 Haushaltungen im Kanton aber leider unmöglich

Häusliche Gewalt:

Aufbau eines umfassenden Bedrohungsmanagements
Im Oktober 2012 habe ich in Absprache mit der Vorsteherin des Departements des Innern einer interdisziplinären Arbeitsgruppe den Auftrag erteilt, einen Grundlagenbericht zu erstellen, der den konkreten Optimierungsbedarf bei den staatlichen Interventionen gegen Häusliche Gewalt eruiert, Massnahmen zu einer effektiveren behördlichen und interinstitutionellen Zusammenarbeit vorschlägt, ein Konzept für die Einführung eines effizienten, organisations- und fächerübergreifenden Bedrohungsmanagements entwirft und den damit allenfalls verbundenen gesetzgeberischen Handlungsbedarf aufzeigt.
Dieser Grundlagenbericht liegt inzwischen als Arbeitspapier vor, und ich habe die Arbeitsgruppe Ende Februar mit weiteren Schritten beauftragen können. Definitive Entscheide sind in diesem Zusammenhang aber noch keine gefällt worden.

Ich möchte wiederholen, dass es wichtig ist, dass die Politik generell noch konse-quenter versucht, Ursachen gewisser Entwicklungen noch besser in den Griff zu bekommen, statt für teures Geld immer mit Symptombekämpfung hinterherzurennen. Zu diesem Ziel ist auch zu versuchen, im geeigneten Zeitpunkt auf überkantonaler Ebene mögliche Massnahmen und ihre Folgen zu thematisieren.

Diese durchaus kritischen Bemerkungen sind im Kontext der hier und heute präsentierten speziellen Thematik zu sehen, bei der es eben um die polizeiliche Kriminalitätsstatistik geht, und insoweit auch gleich wieder ein Stück weit zu relativieren:
Insgesamt darf sich die Bevölkerung im Kanton Schwyz nämlich immer noch sicher fühlen, und vor allem auch auf den fachkundigen Einsatz unserer Polizei zählen.

So stimmt es positiv, dass die Arbeit unserer Polizei hier im Kanton Schwyz im ge-samten heute thematisierten Bereich im Rahmen des Möglichen als sehr gut be-zeichnet werden kann, wobei die Tätigkeiten bei der Prävention und bei der Ermitt-lung und Aufklärung eingeschlossen sind. Auf die entsprechenden Erfolge ist denn auch hingewiesen worden.

Wie bereits angetönt, stehen wir in den meisten Bereichen besser da als der schweizerische Durchschnitt. Dies ist nicht nur auf die Lage und Struktur unseres Kantons zurückzuführen, sondern sicherlich auch zu einem wesentlichen Teil auf die Arbeit unserer Kantonspolizei.

Trotzdem gibt es selbstverständlich keinen Grund, sich auf irgendwelchen Lorbeeren auszuruhen, vielmehr müssen auch wir uns den schwierigen Herausforderungen stellen, uns stetig weiterentwickeln und auf Veränderungen adäquat reagieren.

In diesem Sinn danke ich unserem Kommandanten, unserem Chef der Kriminalpolizei sowie alle übrigen Korpsangehörigen für ihre Arbeit und ihren Einsatz zugunsten der Schwyzer Bevölkerung und der Sicherheit hier bei uns im Kanton.

Quelle: www.sz.ch

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