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Einsiedler Volksblatt, Montag 17.12.2018 / 6. Jahrgang

Pukelsheim kann Resultate in den Wahlkreisen verfälschen

Von ALEX KUPRECHT | 02.02.2015

Pukelsheim kann Resultate in den Wahlkreisen verfälschen

Interview von Xaver Schuler mit Ständerat Kuprecht zur Abstimmung über den Wahlmodus für das Kantonale Parlament, den Kantonsrat.

Xaver Schuler befragt Ständerat Kuprecht

Xaver Schuler: Alex Kuprecht, wir haben mit den Wahlstimmen von 2012 die Wahl nach den Regeln des Doppelten Pukelsheim simuliert. Wie interpretierst du die Resultate?

Alex Kuprecht: Ich war erstaunt, wie wenig sich bei den Sitzansprüchen der etablierten Parteien geändert hat. Es gab wohl Verschiebungen innerhalb der Wahlkreise, aber in der sog. Oberzuteilung war der maximale Gewinn / Verlust einer Partei auf zwei Sitze begrenzt.

Die Anhänger des Pukelsheim erhoffen sich natürlich Sitzgewinne. Wie beurteilst du als ehemaliger Kantonsrat eine damit verbundene Parteienzersplitterung?

Alex Kuprecht: Nun, der Pukelsheim begünstigt Kleinstparteien, denn mit 1% der gewichteten Stimmen lässt sich ein Sitz holen. Ich kann mir vorstellen, dass rund drei Parteien mehr ins Parlament einziehen könnten. Nun ist es aber so, dass jede Partei mit weniger als fünf Sitzen sich einer Fraktion anschliessen muss, sonst können sie nicht an den Kommissionsarbeiten partizipieren Das bedeutet zweierlei: Erstens wird die Zahl der Fraktionen wahrscheinlich nicht grösser und andererseits werden sich die etablierten Fraktionen mit den Wünschen der Juniorpartner arrangieren müssen. Solche Koalitionen haben oft den Nachteil, dass das eigene Parteiprogramm verwässert wird.

Wie durchschaubar ist es für den Stimmbürger, wo seine Stimmen landen werden?

Alex Kuprecht: Der Preis für die Vorteile des Pukelsheim – fast keine Stimme geht verloren – ist der der Intransparenz. Wenn die Wähler in ihrer Gemeinde eine Partei wählen, dann kommen diese Stimmen wohl der gewünschten Partei zugute, aber, und das ist ein wichtiges Aber, Teile der Stimmen wandern über einen Topf in andere Wahlkreise. Tatsächlich weiss der Stimmende nicht, ob seine Stimmen - im nicht unwahrscheinlichen Extremfall alle! - in einem anderen Wahlkreis zum Tragen kommen. Das widerspricht dem Grundsatz, dass die abgegeben Stimmen nur im eigenen Wahlkreis verwendet werden. Grosse Wahlkreise sind grosse Lieferanten von Reststimmen und werden die Resultate vorzugsweise in mittelgrossen Wahlkreisen stark beeinflussen. Und wenn bspw. nur einer von drei Sitzen an eine andere Partei fällt, dann ist das Wahlergebnis des Wahlkreises um 33% „verfälscht“!

Du erwähnst die Gerechtigkeit. Wie gerecht ist der Pukelsheim?

Alex Kuprecht: In Bezug auf die Stimmwertgleichheit innerhalb des Kantons kommt der Pukelsheim der Wahrheit am nächsten, bezogen auf die einzelnen Wahlkreise ist er aber am weitesten davon entfernt.

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